Es gibt wohl nicht viele Länder auf der Welt in denen man im Politikteil einer seriösen Tageszeitung folgende Zeilen findet:
Local Government Minister Kahinda Otafiire has rubbished suggestions that he could be arrested for alleged complicity in war crimes in the DR Congo, saying that after all he never ate Congolese nationals
Hintergrund ist die Verhaftung von Jean-Pierre Bemba, dem Vollstrecker der ugandischen Aussenpolitik im Kongo. Seine Rebellen wurden massiv von Uganda mit Waffen unterstützt und bis 2003 kämpften ugandische Truppen Seite an Seite mit Bemba.
Und die Pygmäen im Kongo haben Superkräfte, und wenn man einen Pygmäen isst, wird man selbst unverwundbar. Und wenn man mit einer Pygmäen-Frau schläft, heilt man u.a. AIDS. Bei Bedarf kann ich ja mal im Ituri-Wald schauen, ob ich eine Pygmäen-Familie fangen kann. Die passen ganz bestimmt auch in meinen Koffer. Deshalb gehen die Rebellen auch regelmäßig auf Pygmäenjagd (Anm. des Autors (das bin ich): Kein Wunder, dass die Batwa sich im Wald verstecken).
Ein UN-Report für den Security Council bestätigt auch in §97
„The objective of the elite network in the areas controlled by Uganda has been to exercise monopolistic control over the area’s principal natural resources, cross-border-trade, and tax revenues for the purpose of enriching members of the network
§98The elite network operating out of Uganda is decentralised and hierarchical, consisting of high-rank UPDF (Ugandische Armee) officers, private businessmen and selected rebel leaders/administrators. UPDF Lt.Gen Salim Saleh and Maj. Gen. James Kazini are the key figures. Other members include the Chief of Military Intelligence, Col. Noble Mayombo, Col. Kahinda Otafiire and Col. Peter Karim.”
Kazini sitzt schon im Gefägnis für Geisterdivisionen in Nord-Uganda (die Divisionen hatten eine Truppenstärke von 500 Mann, er hat das Gehalt für die nicht-existenten 3500 weiteren Divisionsmitglieder einkassiert. Saleh ist der Bruder von Präsident Museveni, und die anderen waren auch bei den 27 dabei, die 1981 in den Busch gingen und die (jetzt regierende) NMR gegründet haben. Entweder Museveni sägt alle seiner Buddy-Buddies ab wie Kazini zu Beginn des Jahres oder er steht bald selbst vor dem International Criminal Court. Den er kann wohl nicht sagen, von den privaten Geschäften seiner engsten Vertrauten im Kongo gewusst zu haben.
Das kann ganz schnell gehen. Da ich in International Law aufgepasst habe, kenne ich auch den Präzedenzfall Charles Taylor. Der ist nämlich nicht für Verbrechen im Amt als Liberianischer Präsident, sondern für seine Unterstützung der RUF im Nachbarland Sierra Leone angeklagt. Basis für die Anklage ist der Rome Statute, und den hat Uganda unterschrieben. Vielleicht teilen sich bald einige NMR-Leute die Zelle mit Joseph Kony.
Zurück zu den Zeitungen. Habe ich sicherlich schon mal erwähnt, aber zu Zeitungslandschaft ist vielseitig und Pressefreiheit ist gegeben. Man darf alles sagen, auch gegen den Präsidenten. Natürlich stimmt das nicht 100%ig, ab zu gibt es Razzien und der Präsident schimpft gegen bestimmte Medienhäuser, wenn ihm Artikel nicht gefallen. Aber das gibt’s ja auch in D (Cicero-Razzia, Schröder gegen alle).
Besonders amüsant sind die beiden Boulevard-Blätter „Red Pepper“ und „The Onion“. The Onion ist neu auf dem Markt, erscheint derzeit nur wöchentlich und versucht die Konkurrenz Red Pepper mit noch mehr Titten und Ärschen zu überbieten. Red Pepper hat dagegen nur 8 Seiten Hot Babes in der Mitte. Und Red Pepper führt wie die BILD in D die nationale Debatte. Jedoch eher selten im Politikbereich (ausser es geht um Kony-Horror-Geschichten, „die Schlagzeile Kony eats Otti’s penis“ habe ich glaube ich schon mal erwähnt). Verbunden mit urbanen Mythen und dem bei den meisten Ugandern latent vorhandenen Geister- und Hexereiglauben ergeben sich für den Europäer lustige Red Pepper Debatten. Vor zwei Monaten ging mal wieder der Penis-Diebstahl um, und Red Pepper hatte exklusiv-Interviews (darauf wurde ein Hexenmeister aus dem Kongo verhaftet – wäre interessant zu recherchieren, unter welchem Artikel des ugandischen Strafgesetzes die Anklage geführt wurde). Auch die „2012 geht die Welt unter“-story hielt sich lange, und die seriösen blätter sahen sich gezwungen darauf zu reagieren.
Gestern war Welt-Nichtraucher-Tag und Red Pepper hatte ein Bild eines Hundes mit einer Zigarette im Mund auf Seite 3. Als ich eben diese köstlichen Glimmstengel im Gemischtwarenladen meines Vertrauens erstehen wollte, wurde ich Zeuge einer köstlichen Diskussion anlässlich des Red Pepper Artikels über die Fähigkeit zu rauchen (See! I told you dogs can smoke). Nach einigen Minuten hitziger Diskussion kam man zu dem Ergebnis, das Hunde wahrscheinlich nicht von sich aus rauchen, Affen aber schon.
Zum Schluss noch ein Schmankerl. Vergesst Schlangenbisse, böse Rebellen, Ebola und Leoparden. Hier sind die 10 Todesarten, die für mich in diesem Land in Frage kommen
10. Zum Derby mit dem falschen Trikot (rot) in den falschen Block (blau) sitzen, im ebenso falschen Moment jubeln, und dann zu langsam im wegrennen
9. Eine Gräte im Tilapia übersehen und Hals aufgeschlitzt (von Innen). Optional statt der Gräte ein großes Stück fettiges Ziegenfleisch.
8. Die Bodenplatte des Überlandbuses verschwindet unter meinen Füssen
7. Stadtviertel wegen ähnlichen Namen verwechseln (z.B. Bukassa und Bokassa) und statt im freundlichen Inderviertel (über Inder gibt’s bald einen Extra-Beitrag) im Ghetto gelandet.
6. Mit dem Schlüssel in der Steckdose rumgestochert, damit sie für deutsche Geräte funktioniert und dabei vergessen den Strom abzustellen
5. Von einem boda-boda (Motorad-taxi) angefahren
4. Mein boda-boda fährt in den Straßengraben
3. Mein boda-boda fährt beim Versuch auf dem Gehweg zu überholen, eine ältere Frau an, deren fetter hintern ihr Leben rettet aber nicht meins
2. Mein boda-fahrer übersieht nachts einen speed-bump, da sein Licht nicht geht, und ich breche mir den Steiß beim Aufprall auf dem unbequemen Fahrgastsitz.
1. Mein boda-fahrer fährt in ein Taxi, und wir beide kommen nicht schnell genug weg, bevor wir von einem wütenden Mob von Sammeltaxifahrern gelyncht werden.
So siehts aus. Ich wünsche mir Danny Boy und die Cash-Version von In my Life zur Beerdigung


Und auch mit Bildern, bei Bildern, die schon online stehen funktionierts schon





