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I do not eat pygmies

June 3, 2008

Es gibt wohl nicht viele Länder auf der Welt in denen man im Politikteil einer seriösen Tageszeitung folgende Zeilen findet:

Local Government Minister Kahinda Otafiire has rubbished suggestions that he could be arrested for alleged complicity in war crimes in the DR Congo, saying that after all he never ate Congolese nationals

 

Hintergrund ist die Verhaftung von Jean-Pierre Bemba, dem Vollstrecker der ugandischen Aussenpolitik im Kongo. Seine Rebellen wurden massiv von Uganda mit Waffen unterstützt und bis 2003 kämpften ugandische Truppen Seite an Seite mit Bemba.

Und die Pygmäen im Kongo haben Superkräfte, und wenn man einen Pygmäen isst, wird man selbst unverwundbar. Und wenn man mit einer Pygmäen-Frau schläft, heilt man u.a. AIDS. Bei Bedarf kann ich ja mal im Ituri-Wald schauen, ob ich eine Pygmäen-Familie fangen kann. Die passen ganz bestimmt auch in meinen Koffer. Deshalb gehen die Rebellen auch regelmäßig auf Pygmäenjagd (Anm. des Autors (das bin ich): Kein Wunder, dass die Batwa sich im Wald verstecken).

 

Ein UN-Report für den Security Council bestätigt auch in §97

„The objective of the elite network in the areas controlled by Uganda has been to exercise monopolistic control over the area’s principal natural resources, cross-border-trade, and tax revenues for the purpose of enriching members of the network

§98The elite network operating out of Uganda is decentralised and hierarchical, consisting of high-rank UPDF (Ugandische Armee) officers, private businessmen and selected rebel leaders/administrators. UPDF Lt.Gen Salim Saleh and Maj. Gen. James Kazini are the key figures. Other members include the Chief of Military Intelligence, Col. Noble Mayombo, Col. Kahinda Otafiire and Col. Peter Karim.”

 

Kazini sitzt schon im Gefägnis für Geisterdivisionen in Nord-Uganda (die Divisionen hatten eine Truppenstärke von 500 Mann, er hat das Gehalt für die nicht-existenten 3500 weiteren Divisionsmitglieder einkassiert. Saleh ist der Bruder von Präsident Museveni, und die anderen waren auch bei den 27 dabei, die 1981 in den Busch gingen und die (jetzt regierende) NMR gegründet haben. Entweder Museveni sägt alle seiner Buddy-Buddies ab wie Kazini zu Beginn des Jahres oder er steht bald selbst vor dem International Criminal Court. Den er kann wohl nicht sagen, von den privaten Geschäften seiner engsten Vertrauten im Kongo gewusst zu haben.

 

Das kann ganz schnell gehen. Da ich in International Law aufgepasst habe, kenne ich auch den Präzedenzfall Charles Taylor. Der ist nämlich nicht für Verbrechen im Amt als Liberianischer Präsident, sondern für seine Unterstützung der RUF im Nachbarland Sierra Leone angeklagt. Basis für die Anklage ist der Rome Statute, und den hat Uganda unterschrieben. Vielleicht teilen sich bald einige NMR-Leute die Zelle mit Joseph Kony.

 

Zurück zu den Zeitungen. Habe ich sicherlich schon mal erwähnt, aber zu Zeitungslandschaft ist vielseitig und Pressefreiheit ist gegeben. Man darf alles sagen, auch gegen den Präsidenten. Natürlich stimmt das nicht 100%ig, ab zu gibt es Razzien und der Präsident schimpft gegen bestimmte Medienhäuser, wenn ihm Artikel nicht gefallen. Aber das gibt’s ja auch in D (Cicero-Razzia, Schröder gegen alle).

 

Besonders amüsant sind die beiden Boulevard-Blätter „Red Pepper“ und „The Onion“. The Onion ist neu auf dem Markt, erscheint derzeit nur wöchentlich und versucht die Konkurrenz Red Pepper mit noch mehr Titten und Ärschen zu überbieten. Red Pepper hat dagegen nur 8 Seiten Hot Babes in der Mitte. Und Red Pepper führt wie die BILD in D die nationale Debatte. Jedoch eher selten im Politikbereich (ausser es geht um Kony-Horror-Geschichten, „die Schlagzeile Kony eats Otti’s penis“ habe ich glaube ich schon mal erwähnt). Verbunden mit urbanen Mythen und dem bei den meisten Ugandern latent vorhandenen Geister- und Hexereiglauben ergeben sich für den Europäer lustige Red Pepper Debatten. Vor zwei Monaten ging mal wieder der Penis-Diebstahl um, und Red Pepper hatte exklusiv-Interviews (darauf wurde ein Hexenmeister aus dem Kongo verhaftet – wäre interessant zu recherchieren, unter welchem Artikel des ugandischen Strafgesetzes die Anklage geführt wurde). Auch die „2012 geht die Welt unter“-story hielt sich lange, und die seriösen blätter sahen sich gezwungen darauf zu reagieren.

Gestern war Welt-Nichtraucher-Tag und Red Pepper hatte ein Bild eines Hundes mit einer Zigarette im Mund auf Seite 3. Als ich eben diese köstlichen Glimmstengel im Gemischtwarenladen meines Vertrauens erstehen wollte, wurde ich Zeuge einer köstlichen Diskussion anlässlich des Red Pepper Artikels über die Fähigkeit zu rauchen (See! I told you dogs can smoke). Nach einigen Minuten hitziger Diskussion kam man zu dem Ergebnis, das Hunde wahrscheinlich nicht von sich aus rauchen, Affen aber schon.

 

Zum Schluss noch ein Schmankerl. Vergesst Schlangenbisse, böse Rebellen, Ebola und Leoparden. Hier sind die 10 Todesarten, die für mich in diesem Land in Frage kommen

 

10. Zum Derby mit dem falschen Trikot (rot) in den falschen Block (blau) sitzen, im ebenso falschen Moment jubeln, und dann zu langsam im wegrennen

9. Eine Gräte im Tilapia übersehen und Hals aufgeschlitzt (von Innen). Optional statt der Gräte ein großes Stück fettiges Ziegenfleisch.

8. Die Bodenplatte des Überlandbuses verschwindet unter meinen Füssen

7. Stadtviertel wegen ähnlichen Namen verwechseln (z.B. Bukassa und Bokassa) und statt im freundlichen Inderviertel (über Inder gibt’s bald einen Extra-Beitrag) im Ghetto gelandet.

6. Mit dem Schlüssel in der Steckdose rumgestochert, damit sie für deutsche Geräte funktioniert und dabei vergessen den Strom abzustellen

5. Von einem boda-boda (Motorad-taxi) angefahren

4. Mein boda-boda fährt in den Straßengraben

3. Mein boda-boda fährt beim Versuch auf dem Gehweg zu überholen, eine ältere Frau an, deren fetter hintern ihr Leben rettet aber nicht meins

2. Mein boda-fahrer übersieht nachts einen speed-bump, da sein Licht nicht geht, und ich breche mir den Steiß beim Aufprall auf dem unbequemen Fahrgastsitz.

1. Mein boda-fahrer fährt in ein Taxi, und wir beide kommen nicht schnell genug weg, bevor wir von einem wütenden Mob von Sammeltaxifahrern gelyncht werden.

 

So siehts aus. Ich wünsche mir Danny Boy und die Cash-Version von In my Life zur Beerdigung

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Freier Mann

June 1, 2008

Hi,

alle Uni-Verpflichtungen mit Bravour bestanden. Was ich jetzt die nächsten Wochen mache ist noch nicht so klar. Erstmal am Dienstag umziehen und Freitag Houswarmingparty. Seid alle eingeladen. Dann muss ich mich noch nach einer neuen Praktikumsstelle umschauen, da meine bisherigen Ideen von Ausbeutern beherrscht werden (Geld zahlen für ein Praktikum sehe ich mal gar nicht ein).

Gestern wurde dann das Ende der Uni gefeiert. Wir haben das KK Beach Resort in Ggaba Beach im Süden von Kampala angemietet. Der Name versprach einiges. Die Praxis hatte mehr von der Atmosphäre eines vor sich hingammelnden britischen Seebades (mit rostigen Kinderspielplatz, abblaetterdem Putz, Kiosk mit Badespielsachen usw. War aber trotzdem eine gute Feier. Immerhin funktionierte überraschender einer der Jet-Skis und es gab ein Volleyballnetz. Zudem bin ich Gründungsmitglied unserer NGO “Uganda Peace Association International”, die morgen registriert wird und dann wird aber sowas von Frieden gemacht, dass koennt ihr euch nur schwer vorstellen. Danach gings zu Smiles Corner Sports Bar, wo unter offenem Himmel der ManU-Fans Saisonabschluss gefeiert wurde. DeLuxe, gute Feier mit viel Tanzen und die besten 100 ManU-Spiele auf Grossbildleinwand.

Heute morgen wurde erholt und nachher Videos ausgeliehen, da heute nicht mehr viel geht und es draussen regnet.

Die glorreichen Uganda Cranes haben Niger gestern zerlegt (1:0). Erfolgreicher Start in die WM und Africacup-Quali. Nächste woche gehts nach Benin, die im Februar in Ghana gar nicht so schlecht aussahen. Wenn man dort einen Punkt holt ist vielleicht wirklich was drin. Am 14.Juli kommt dann Angola. Wahrscheinlich eine Nummer zu groß, aber man weiss ja nie. Nigeria hat die drei Punkte in der letzten Quali auch in Naambole gelassen.

Verspreche auch, bald mehr Beiträge zu schreiben. Und auch mit Bildern, bei Bildern, die schon online stehen funktionierts schon

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Für einen Tag halb tot

May 18, 2008

Bilder hochladen geht immer noch nicht.

Und mein geliebter Sportclub hat sich gedacht: Wenn schon den Aufstieg versauen, dann aber richtig. Ich finde es ja schon eine Zumutung, dass man gegen Teams wie SVWW, Koblenz oder Paderborn überhaupt spielen muss und die 100 vertrolltelten Dorf-Prolls mit zum 1000.Mal kopierten Gesängen meine Ohren zumüllen und drittklassige Osteuropäer den schönen Rasen kaputtgrätschen. Aber dann auch noch verlieren durch Gegentore von Größen wie Nakas und Glibo. Vielleicht wirds ja noch was. Aber der Saisonabschluss kommt mir wie eine Kopie des letzten Jahres vor, wo es nicht Koblenz und WW waren, sondern Jena und Paderborn, wo man den Aufstieg verschenkt hat (wobei mir die Dummfresse von Löbe beim Jubeln nach dem unglaublichen Walkefehler nicht mehr aus dem Kopf geht und Tobias Werner nachts in meinen Träumen erscheint.) Wenigstens muss ich diesen Abschaum nächstes Jahr nicht mehr sehen. Und die Bauern spielen auch drittklassig im nächsten Jahr. So schade, gerade wegen der Tradition und für die Region. Kurt Beck sollte mal intervenieren! Dann wähle ich ihn auch (oder auch nicht).

Mit Mainz bleibt dann nur noch ein Hass-Team drin, und endlich spielen wieder zwei badische Teams erstklassig. Ich finde Hoffenheim gut und schäme mich nicht dafür.

 

Sollte aber eigentlich schreiben wie es mir geht, weil man das von mir erwartet. Gut! Habe in rekordzeit meine Hausarbeiten beendet. Die Präsentation im Africana lief auch sehr gut und abends gabs dann lecker Mongolian Grill. Jetzt bereite ich mich fleissig auf die Prüfungen vor. Praktikum habe wahrscheinlich in der Tasche. Werde für Beyond Juba arbeiten, einem Think Thank, der sich mit Ideen für eine Zeit nach dem Friedensschluss mit der LRA beschäftigt (www.beyondjuba.org). Wenn nicht dann mach ich was anderes (evtl. doch Journalist). Habe aber gerade gar keine Zeit, mich darum zu kümmern.

 

Im Juni wird aber erstmal gar nichts gemacht, ausser EM schauen, evtl. Urlaub machen und rumreisen, aber auf jeden Fall wird nicht gearbeitet. Habe dann eine neue Wohnung. Wohne mit meiner Kommilitonin Kate und drei kleinen Kaetzchen zusammen (habe deswegen auch schon an eine Namensänderung gedacht, aber die neue Adresse www.deroperiertezeh.wordpress.org würde dann zuviel verwirren). Kate ist grosse Klasse. Und sie ist weit entfernt von den anderen Alternativ-Amerikanern (Verschwörungstheoretiker, Entwicklungsökonomisch Minderbemittelt, “Wir schaffen uns unseren eigenen Mainstream, bauen überall auf der Welt Backpackers auf, wo man die gleiche bekackte Musik hört; Fair Trade, Kundera, Dalai Lama und Kleinkredite toll findet, über Yoga und vegetarisches Essen diskutiert und sich vor allem erzählt, wo man schon überall war. Dazu muss mindestens einer Jonglieren oder/und Gitarre spielen können. In jeder Gesprächsrunde muss mindestens einer mit Dreadlocks, einer der aussieht wie Vin Diesel und zwei leicht übergewichtige Mädchen mit afrikanischen Boyfriends sitzen. Und einer, dass ist aber wirklich Pflicht, muss sich beschweren, dass sein MP3-Player/Laptop/was auch immer gestohlen wurde und er ohne diesen nicht leben kann.

Bin etwas abgewichen. Kate ist auf jeden Fall nicht so. Hervorragender Geschmack besonders bei Musik, keine Berührungsängste, kein auf Teufel komm raus “local” sein, und dazu geht sie auch gerne feiern.

Übers Essen schreibe ich nächstes Mal.

Zum Abschluss nochmal Fussball. Kann mich nicht eines kleinen Kommentars zu Löws Nominierungen enthalten:

Tor: Kann man machen! Muss man aber nicht unbedingt und ich persönlich finde Neuer besser als Adler.

Abwehr: Musste echt nicht sein, dass der blinde Friedrich wieder mit darf. Hoffentlich wird er ausgesiebt anstelle von Westermann. Hätte auch gerne Pander gesehen, aber beide scheitern wohl an der fehlenden Flexibilität bei den Positionen. Für mich aber kein Argument, da man auch wie folgt alle Positionen mindestens doppelt besetzt hatte. LV: Pander, Jansen (dazu Lahm) IV: Metze, Mertesacker, Westermann RV: Fritz, Lahm. Na gut in der Mitte etwas riskant, wenn Metzelder nicht fit ist. Aber muss es denn der Arne Friedrich sein, der als Mensch genau das repräsentiert, was in Deutschland falsch läuft

Mittelfeld:

Jones ist in Ordnung. Marin finde ich gut. Aber Trochowski. Der ist wohl kaum in Form. Dafür hätte man lieber noch Hilbert mitgenommen, damit man EINE ALTERNATIVE ZU ODONKOR hat. Wie ist er denn auf diese Idee gekommen? Nur einen Flügelspieler mitzunehmen. Dann muss aber von den Aussenverteidigern einiges kommen. Oder man spielt Chelsea 4-2-3-1 mit Podolski, Helmes, Marin oder eben Odonkor auf den Aussenstürmer-Positionen, Ballack in der Mitte und hintendran Hitz und Frings. Halte ich für eine Interessante Alternative, aber es bleibt wohl bei der Raute mit Borowski und Schweini, die fleissig in die Mitte ziehen.

Im Sturm ist es eigentlich egal, ob man Helmes oder Kiesling nominiert. Ich würde Kuranyi aus dem endgültigen Aufgebot streichen, einfach um zu sehen, ob er weinen muss oder nicht.

Glückwunsch an Hoffenheim und nicht an die Bauern, die es natürlich doch noch geschafft haben. Dafür gehen mit Aue und Offenbach zwei Teams aus dem erweiterten Kreis der Sympathievereine runter. (und zwei der letzten echten Fussballstadien in dieser Liga).

Am 31. eröffnen die Uganda Cranes ihre WM-Quali gegen NIger. Und ich bin mit meiner letzten Klausur durch und am nächsten Tag haben wir uns zum Feiern in Ggaba Beach eingemietet.

YEEE SSEBO

PS: War letzte Woche für einen Tag halbtot mit hohem Fieber und Malariapanik. War aber dann negativ und ich lebe wieder (ganz)

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May 11, 2008

Kann leider keine Fotos hochladen, stelle aber dafür welche bei studivz rein.

 

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Wie ich den Weltfrieden sichere (oder wie ich zumindest den Frieden nach Norduganda gebracht habe)

May 7, 2008

Heute habe ich eine Kopie des original Final Peace Agreements für die Juba Peace Talks erhalten. Habe mich durch alle Klauseln gearbeitet, und dabei festgestellt, dass es wichtig ist, alle Waffen im Hotel zu lassen, der ehemalige Präsident von Mozambique Joaquim Chissano nicht soviel von Verträgen versteht, dass 90% der Nachnamen des Führungsstabs der LRA mit „O“ beginnen und der Präsident des Süd-Sudan Riek Machar die schönste Unterschrift aller Mediatoren hat.

Leider war das Dokument viel zu dick – was wahrscheinlich der Grund war, warum der es Kony nicht akzeptieren konnte – über 5o Seiten sind zuviel, wenn man dauerstoned ist.

Hab die fehlende Unterschrift dann in Grundschulschönschrift ergänzt und werde den Friedensvertrag wohl nächste Woche an Museveni schicken, damit endlich mal Ruhe ist und alle Okots und Okellos wieder in Frieden ihre braune Hirse auf der Zunge zerdrücken können (Zum ugandischen Essen ist schon was in Planung, da müsst ihr euch aber noch gedulden – nur soviel: Die Freaks in Norduganda mixen Zimt an ihre Erdnusssosse – war noch nie dort, aber die Masse von Gutmenschen mit Helfersyndrom in Gulu und dem Rest des Nordens macht diesen Flecken unsympathisch.

 

Meine letzten Wochen habe ich zusammen mit den Kanadiern von Royal Roads University in Soroti verbracht. Aufgabe war, einen Bericht über die Arbeit der NGO’s in Richtung Millenium Development Goals auszuarbeiten mit besonderem Augenmerk auf die Zusammenarbeit mit Regierungsprogrammen und der Koordination untereinander.

 

Soroti ist die Hauptstadt von Teso und Teso ist die Übergangsregion zwischen dem tropischen Süden und den Savannen des Nordens. Den Rest der Beschreibung überlasse ich meinem Reiseführer: „Das über 40.000 Einwohner zählende Soroti (1125m) hat etwas von der Atmosphäre einer verlassenen Grenzstadt. Die Gegend um Soroti ist bereits erheblich heißer und trockener als im nur 100km entfernten Mbale…..“ Soviel dazu. Es gibt eine Diskothek (Club Trend), einige Bars, fünf geteerte Straßen, ein Kino und einen Platz auf dem man ganz toll Paraden abhalten kann (dazu später).

 

Vier Kanadierinnen wurden von 4 Makerere Studenten begleitet und das ganze war nach thematischen Gebieten noch mal in 4 Pärchen unterteilt (meins war Economic Development and Land Issues – ich kann diese ganzen Hippiethemen wie Sanitation, Health, Gender Equality und Education einfach nicht ernst nehmen J)

 

Durfte mit Anya aus Vancouver zusammenarbeiten. Die hatte zwar nicht so viel Ahnung von unserem Spezialgebiet (wollte Mikrofinanz, noch so ein Hippielieblingsthema, untersuchen – hab die Sache in die richtigen Wege (Revolution ist der einzige Weg J) geleitet), war sonst ganz in Ordnung. Die anderen Kanadierinnen waren auch liebenswert, bis auf Darcy, die ab nächsten Monat für die Kanadier die civil-military-relations in Afghanistan machen soll. Die ständigen Versuche, Militärlogistik in unsere Planungen reinzubringen und der nordamerikanische Akzent „Jugända“ gingen mir zunehmend auf die Eier.

 

Fahrt war bis auf eine Verkehrleiche in Kampala wenig spannend. Der Typ lag auf dem Buch mit Blutlache um den Kopf rum und war offenkundig nicht mehr am Leben. Die Mädels haben erstmal eine unnötige Dosis Unsicherheit mit aufs Land genommen. War auch für mich die erste Leiche. Hat mich nicht sonderlich beeindruckt und ich bin immer noch am Abwägen, ob mich die fehlende Betroffenheit nun nachdenklich stimmen soll.

 

Wie auch immer: Angekommen, geduscht, wollte gerade die Gegend erkunden und treffe die Kanadierinnen im Garten, die es sich mit Bier und Zigarette gemütlich machen. Okay, hier bin ich willkommen.

 

Unser Erstkontakte waren schon vorarrangiert, da mein werter Kommilitone Col. Fred Mwesingye (nicht nur ein Colonel – wenn man in Uganda jemanden vom Colonel sprechen hört, ist zu (hohe Prozentzahl) er gemeint) bereits seinen alten Freund den Bischof und seinen alten UPA-Widersacher Michael (der District Commisioner, in den 90ern Rebell, jetzt korrupter Beamter mit NRM Mitgliedschaft). 

Hat uns Wachen, Interviewtermine und oft auch Pick-ups und Motorräder organisiert (möchte nicht ausschliesen, dass er nicht dadurch auch den Überblick behalten wollte, wen wir alles kontaktieren). Habe in der Woche die Hand jedes big man in der Region geschüttelt und annähernd jeden Bauern getroffen und jedes noch so schäbige NGO- und Savings Coorparative Büro besucht.

 

Teso ist ein interessantes Untersuchungsgebiet, da hier einerseits multiple Konfliktquellen, andererseits einige der fähigsten Programme in Uganda zu finden sind. Einerseits kommen die Karamojong gerne zum Viehklau über die Berge rüber (besonders in den Schulferien, da die meisten von den cattle rustlern nicht wilde Krieger sind, sondern Schüler und Studenten, die damit ihre Studiengebühren finanzieren – soviel zu den Nebenwirkungen von Entwicklungshilfe). Dadurch sind die beiden Grenzdistrikte zu Karamoja beinahe entvölkert und die Bewohner in IDP-Camps konzentriert. Ausserdem sind einfach zu viele Waffen in der Region, teils durch die schon angesprochene Rebellion der Uganda Peoples Army von 1986-1993 und teilweise als Folge der Offensive von Kony und seiner Lords Resistance Army Mitte im Sommer 2003. Die ugandische Armee stand komplett im Norden und im Kongo und konnte kaum Einheiten in die Region schicken. Stattdessen haben sie arbeitslose Jugendliche bewaffnet, und die sog. Arrow Boys haben ihre Waffen noch heute und sind inzwischen wieder arbeitslos, was nicht bekömmlich für die Sicherheit in der Region ist. Dazu kommt noch die Flut im letzten Herbst, die weite Teile des flachen Teso weggespült hat. 80% wählen hier FDC, eine der Oppositionsparteien. Ich persönlich bevorzuge die DP. Da DP, FDC und UPC, die dritte der ernstzunehmenden Oppositionsparteien, nicht miteinander auskommen, wird das National Resistance Movement wohl auch 2011 gewinnen. Am letzten Tag haben wir ein nettes Abschiedsbarbecue gegeben (roasted goat and chicken), an dem einige der Lokalpolitiker ordentlich betrunken waren (unter anderem der LC5 für Teso, das Gegenstück zu unseren Ministerpräsidenten) und mit ihrer lebhaften Diskussion tiefe Einblicke in die ugandische Politik gegeben haben. Aber ein Zeichen für die relative Freiheit in diesem Land ist, dass Widersacher Politik bei einem Bier in der Hand ohne Angst diskutieren können.

 

Auf der Haben-Seite steht zuallererst das National Agriculture Advisory Programme, das nach dem neuesten Entwicklungszusammenarbeit-chique entworfen ist: demand-driven, participatory, economic empowering, diversification und self-relying. Die Bauern sind angewiesen, Cooperativen und Sparkassen zu bilden und sich dann selbst Bereiche auszusuchen, in denen sie investieren möchten, z.B. Zitrusfrüchte, Zucht von Setzlingen, Geflügel, Erdnüsse, Sesam, Fischzucht usw. NAADS bietet dann Training für diese Bereiche an, gibt Hilfe beim Zugang zu Finanzierung und Vermarktung und schafft Infrastruktur zur Weiterverarbeitung. Hört sich perfekt an und sieht ganz toll aus, wenn man erfolgreiche Kooperativen trifft. Doch gleichzeitig sind die Beamten im Programm teilweise korrupt und lassen sich für ihre Dienste bezahlen, die Orangen sind Krankheitsanfällig und die Plantagen greifen die empfindliche Wasserressourcen an. Nach einigen Jahren Studium habe ich noch keine Idee gesehen, die nicht einen empfindlichen entwicklungspolitische Haken hat. Bleibt also noch genug Arbeit bis zum Königsweg.

 

Museveni ist sicher nicht dumm und viele Ideen des NRM machen Sinn und sind zum Wohle der Bevölkerung. Ganz sicher hat er Recht, wenn er ständig behauptet, die beste Regierung zu stellen, die Uganda je hatte. Das ist aber wiederum keine große Kunst. Auch Adenauer konnte das mit Fug und Recht von sich behaupten, war aber wie wir wissen meilenweit davon entfernt, ein lupenreiner Demokrat zu sein.

Es ist einfach etwas frustierend, nichts in diesem Land zu finden, hinter dem man zu 100% stehen kann und nichts entdeckt, worauf man das Label „böse“ pappen kann (ausser Kony vielleicht).

 

Zum Abschlusswochende haben wir noch den Rest unseres Etats verprasst und haben uns in einer noblen Lodge an den Sipi Falls am Mont Elgon Massif, den „Bergen des Ostens“ einquartiert. Ein traumhafter Ort mit europäerfreundlichen Klima, schönen Bergen und einer atemberaubenden 50km Aussicht auf dem Karamojaebene. Anya hat es mit Darjeeling in Indien verglichen, falls jemand von euch schon da war. Der beglückendste Moment war, als der Kellner an den Tisch kam mit der Frage „Darf ich ihnen das Menü vorstellen“ 4 Gänge vom Feinsten und danach das Restgeld mit gutem Kaffee, Whiskey und Brandy verprasst. Und Royal Roads hat alles bezahlt.

 

Am Freitag stellen wir unseren Report vor UN-Vertretern, NGOs usw. im Hotel Africana vor. Bin schon etwas nervös, da ich noch nie vor einer solchen Menge von fähigen Menschen gesprochen habe. Aber danach gibt’s noch mal ein gutes Abschieds-dinner.

 

Das war lange.

 

Nächste Woche gibt’s einen Beitrag über Essen oder über meine neue Wohnung.

 

Ach ja, falls jemand fachlich interessiert ist am Stand der MDG-Erfüllung bis 2015 in Teso:

  1. Halbierung der Armut – eher unwahrscheinlich
  2. Halbierung der Unterernährung – wahrscheinlich
  3. Universal Primary Education – so gut wie im Sack
  4. Gender Equity in Bldung usw. – gut möglich
  5. 2/3 Senkung der Kindersterblichkeit  - auch gut möglich
  6. HIV/Malaria Quoten-Senkung – im Soll
  7. Sauberes Trinkwasser für alle – sehr wahrscheinlich
  8. Umwelt, Maternal Health und Global Partnership wollten wir kein Urteil fällen.
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Uganda’s worst hidden secret

April 20, 2008

Uganda ist für seine Spitzenplätze in Statistiken bekannt. Höchste Gorilladichte, schnellste Senkung der HIV-Rate, Verkehrstote innerhalb von Ostafrika (37 im Monat allein in Kampala).

Weniger bekannt ist Uganda’s worst hidden secret, die Weltmeisterschaft im Alkoholkonsum. Hat mich auch ein wenig überrascht, da ich dachte, dass in dieser Disziplin die Russen oder Tschechen eigentlich unschlagbar sein müssten.

Aber nein, Uganda auf der Eins, was hauptsächlich auf das leckere Bier und diesen Freund zurückzuführen ist:

Hier in seiner edlen Form, in Glasflasche mit Etikett. Wrd auch gerne in kleinen assigen Plastiktüten verkauft. Für alle die es wissen wollen, hier ist der Beweis, dass man andere notorische Trinkernationen aber mal locker im sack hat:

Russian Federation (the) 4.9

Ukraine 8.0

Mexico 3.0

Latvia 7.0

Czech Republic (the) 1.0

Uganda 10.7 #1

Möchte nicht manipulieren, in der letzten Statistik hat Moldavien die Nummer Eins übernommen.

Aber auch egal, was mich mehr aufregt sind die bekackten Kanadier von der Royal Roads Uni. Die sind noch schlimmere Schisser als die Ugander, und da ihre Botschaft nicht möchte, dass sie nach Karamoja fahren, wurde unser research-Standort nach Soroti in Iteso verlegt. Dort ist es zwar genauso heiss und staubig wie in Moroto, aber dafür gibts keine verrückten Rinderdiebe, und auch keine Abendunterhaltung. Das werden lange 10 Tage. Heute abend gibts erstmal ein meet-and-greet im einzigen türkischen Restaurant der Stadt (mit Essen umsonst), wo sich hoffentlich mein kanadier-hass mildern wird.

Sonst bin ich weiterhin fleissig am Hausarbeiten schreiben, die ich bis Ende April fertig bekommen muss.Themen “Kirche und Apartheid” “Herausforderung des peace-Buildings in Somalia” und “Analyse der gacaca-gerichte in Rwanda aus einer Gender-perspective”. ich mach jetzt auch copy andpaste wie meine Kommilitonen.

Kony hat statt zu unterzeichnen, seinen Sicherheitschef und neun weitere aus dem Führungsstab umgebracht. Jetzt sind es nur noch zwei auf der Fahndungsliste des Internationalen Gerichtshofs. Wenn er noch seinen neuen Vize und sich selbst umbringt, steht dem Friedensvertrag nichts mehr im Weg. Es hält sich noch das Gerücht, dass Zwischenhändler geld in die eigene Tasche gesteckt haben, dass die amerikanische Botschaft an die LRA für den Friedensvertrag zahlen wollte. Erstmal ist jedoch für Uganda gut, dass Kony weit weg von der eigenen Grenze ist. Die LRA entführt gerade im Südsudan, NW-Kongo und in der zentralafrikanischen Republik, wo sie auch neue Waffen eingekauft hat. Aber langfristig istdavon auszugehen, dass sie im Südsudan bleibt, wo sie einfacher überleben können, da die ugandische Armee ein stärkerer Gegner ist und dem Südsudan im Zuge des Referendums für die Unabhängigkeit genug Chaos droht.

Melde mich nochmal vor Soroti

 

 

 

 

 

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Taxi War

April 13, 2008

Ist gerade einiges los. Kampala wurde von einem Streik der Matatu- und Bodafahrer lahmgelegt. Die Politzei hat sich unverschämterweise erlaubt, halbverfallene Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen und Strafzettel zu verteilen, wenn außerhalb der Haltestellen gestoppt wird. Da die Matatugewerkschaft ihre Dinge gerne selbst regelt und sich nichts von den unterbezahlten Verkehrspolizisten sagen lassen möchte, zudem Rückendeckung von den Matatubesitzern hat, die meistens nicht arm und ohne Kontakte sind, war Kampala komplett lahmgelegt.

Wäre auch erstmal kein Problem. Doch wollten viele Fahrer doch Geld verdienen und ihre Kollegen haben versucht, die Streikbrecher aufzuhalten. Und haben alle wichtigen Matatu-Stationen und Kreuzungen blockiert, sich mit Stöcken und Steinen bewaffnet und ihre Kollegen zusammengeschlagen (und teilweise auch Fahrgäste). Polizei mischt auch noch mit, überall Tränengas und brennende Reifen, das Viertel um den Taxipark abgeriegelt und am Ende gab es neben 220 eingesperrten Taxifahrern auch noch einen Toten.

Gefährlich war es eigentlich nicht, aber neben den Streikenden haben auch viele kleine Strassenräuber das Chaos ausgenutzt und Andere haben ein paar Rechnungen beglichen. In Wandegeya war wenig los, eine Bar ist ausgebrannt, aber das kann auch eine andere Ursache gehabt haben. Aber ein wenig mulmig ist es schon, wenn dir eine 10 Jugendliche mit Steinen und Stöcken entgegenkommen.

 

Kony hat kurz vor Unterzeichnung den ganzen Friedensvertrag nochmal über den Haufen geworfen und mal wieder seinen Chefunterhändler gefeuert. Dieser hat wiederum Gerüchte gestreut, dass einige Leute viel Geld bezahlen, dass die Friedensverhandlungen platzen. Kony soll angeblich in Ri-Kwangba an der sudanesich-ugandischen Grenze sein (zumindest seine Leibwache ist dort). Vielleicht ist er aber immer noch im Garamba-Forest im Kongo oder in der Zentralafrikanischen Republik, wo er sich mit Rebellen aus dem Chad treffen wollte, zwecks neue Stützpunkte ausfindig machen und Waffen einkaufen.

Militärisch einfach nicht totzukriegen. Das beste, was Uganda machen kann, ist in aus Norduganda zu vertreiben, damit er sich andere Gebiete zu ausbeuten sucht.

Zudem sitzt sein ehemaliger Kontrahent und Armeechef Kazini im Gefägnis, da er Geisterdivisionen geführt hat und von diesen nicht existierenden Soldaten die Gehälter kassiert hat. Daneben wird schon heftig um eine Nach-Museveni-Ordnung (falls es denn soweit kommt :) gestritten, da Museveni 2011 nicht mehr antreten will.

 

Mir gehts auch gut, ich hab den Platz für Karamoja wirklich bekommen, weil meine Kommilitonen alles Schisser und Bonzenkinder sind (“die rennen da nackt rum”, “die schiessen auf Autos, wenn sie wütend sind” “da gibts nur Milch und Cassava zum Essen”). Bin schon ordentlich gespannt, die Botschaft sagt, dass ich ruhig fahren kann und es keine außergewöhnlichen Sicherheitsprobleme gibt. Wird sicher eine lustige Sache, es gibt an den Hängen des Mt.Moroto eine Gruppe mit dem Namen “die X”.Und dazu eine traumhafte Landschaft.

riots

Photo von der Burton-Street. Und hier ist der Artikel dazu:

http://www.newvision.co.ug/D/8/12/621805

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Nachtrag zu Rwanda

April 8, 2008

Vielleicht ist es notwendig Rwanda meine Rwanda Eindrücke zu präzisieren. Rwanda ist ein Polizeistaat. Wer auch immer die ethnische karte spielen möchte, landet im Knast. Aber um die derzeitigen Verhältnisse in Rwanda auf den Punkt zu bringen ist die ethnische karte notwendig, auch wenn es offiziell nur noch Rwander gibt. Hutus haben zwar eine hohe Regierungsbeteiligung, aber die Schlüsselpositionen sind von ehemaligen RPFlern besetzt. Unter der Prämisse der Einheit herrscht Ungleichheit. Es wurde nur die kategorie für diese Ungleichheit aufgehoben. Die Gesellschaft ist geprägt von Misstrauen und auch wenn die Regierungsprogramme gut und pragmatisch sind, besteht meiner Meinung nach eine große Chance, dass die Unfreiheit die Aussöhnung zerstören kann. Natürlich ist Kontrolle für die Stabilität des Landes wichtig, aber die Tendenz geht in die falsche Richtung.

Der nächste study trip geht nach Moroto in Karamoja. Die Karamojong sind Pastoralisten, die das lustige Hobby haben sich gegenseitig das Vieh zu stehlen. In der Karamojong-Kosmologie gehört alles Vieh auf dieser Welt den Karamojong, da es ihnen von Gott gegeben wurde. Es ist also Gottes Wille, wenn man die Nachbarn überfällt. Früher war das auch kein Problem, doch als das Amin-Regime zusammengebrochen ist, haben sie die Waffenarsenale der ugandischen Armee geplündert und mit AK47 wird “cattle rustling” eine blutige Angelegenheit.

Wird also spannend und außerdem bekommt man eine selten bereiste Region zu sehen.

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Aber hier leben, nein danke!

April 7, 2008

Aber hier leben, nein danke!

War klar, dass diese Überschrift irgendwann man auftauchen musste. Unter diesem Titel möchte ich den Field-Trip nach Rwanda schildern (und auch beschreiben, evtl. erzählen), und zwar in Einzelheiten.
Mittwochmorgen war die Abfahrt um 7h angesetzt. Hat sich aber ein wenig hinausgezögert, da man festgestellt hat, dass der alte faculty bus beim besten Willen nur 30 Personen transportieren kann und vor dem Bus 35 Leute standen. Ein paar haben sich dann bereit erklärt, auf eigene Kosten mit dem Jaguar nach Kigali zu fahren.
Ugander reisen selten durch ihr Land, außer sie müssen (Familienbesuch usw.). War also etwas besonderes, besonders da es den südlichen Nachbarn besuchen geht, der mit ein wenig Geringschätzung betrachtet wird: Ansage des Koordinators: „We are in Rwanda to learn“ Halbleise aus der letzten Reihe „What? Being jerkish“ Kommentar aus der Mitte „No, to squatter around like an Rwandan“ Stimmungstechnisch erinnerte die Fahrt auch sonst an einen Klassenausflug in der 8. Klasse. Noch in Natete wurde der in Trinkflaschen abgefüllte Waragi ausgepackt und noch heimlich getrunken, versaute Witze gerissen und spätestens nach Mbarara die Eheringe in der Tasche verstaut sowie die kleinen Plastiktüten mit Waragi nicht mehr heimlich sondern aus dem Busfenster gekauft.

An der Grenze war der nicht-protestantische Teil des Busses betrunken. Wurde gesungen und jeder noch so blöde Kommentar mit einem Oyeee bestätigt und ein –imana angehängt (Danielimana – in Anlehnung an die typische rwandische Namensendung). Zum Liverpool-Arsenal waren es dann nicht mehr so viele und auch ich musste am nächsten Tag meine Sünden bezahlen. Das Bier ist lecker (Primus aus dem Kongo oder Mützig aus Rwanda), billig und in Riesenflaschen (0,75l) vom Kiosque Allilulia. Der „Elders’ Juice“ hat aber den Ausschlag gegeben.

Landschaftlich ist die Fahrt auch überragend. Zuerst geht’s durch die grünen Hügel vom Buganda, bevor die Savannenhügel von Ankole beginnen, die wiederum ab Ntungamo auf die Ausläufer der Kigezi-Hochlandes treffen. Diese sehen erst wie die schottischen Highlands aus (ohne tropisches Gewächs). Später dann terrassierte Hügel, die an den Kaiserstuhl erinnern. Über einen Pass kommt man dann an der Grenzposten und Rwanda selbst ist streckenweise einfach nur atemberaubend schön.

Donnerstag ging das Besuchprogramm los. Früh aufstehen, wie die ganze Woche, Zuerst an die Uni, dann zu IBIKO, dem genocide-survivor-Dachverband, in die Botschaft und im Anschluss eine Diskussion mit einem rwandischen Historiker. Am nächsten Tag dann Disarmament and Reintegration Agency, gacaca-courts und reconciliation und unity commission. Samstag das Genozid-Memorial, ein Treffen mit dem Presidential Envoy for the Great Lakes Region im Presidentenpalast und Abends zum Essen (waren bei der Anglikanischen Kirche von Rwanda eingeladen, da Collin, einer meiner Kommilitonen, der Sohn des Erzbischofs ist (dieser Satz geht einem Mitglied meiner Glaubensgemeinschaft nicht so leicht über die Lippen) eine Predigt von einem berühmten Radioprediger, der gegen Katholiken, Ökumene und Moslems gehetzt hat.

Das Highlight war jedoch ein Dinner im Garten der Residenz des ugandischen Botschafters. Edles Haus, Getränke umsonst (und nicht nur Standard, sondern Mouton Cadet und guten Lagavullin). Da auch die Abstinenzler zur Feier des Tages ein Glas getrunken haben, war die anschließende Feier sehr unterhaltsam.

Viel Programm und viel gelernt. Rwanda gibt sein bestes, viele Ansätze sind genial. Wenn man es mit geschätzten eine Million Tätern zu tun hat, für deren Prozesse und evtl. Inhaftierung keine Ressourcen zur Verfügung stehen und das Prozedere auf legalem Wege hundert Jahre dauern würde, bleiben nur die Gacaca-Courts auf Dorfebene. Die Gemeinschaft wählt ihre Richter selbst (keine Quoten außer der 40% Frauenquote, Hutu, Tutsi, Twa tauchen in keiner Statistik auf), Prozesse finden vor dem ganzen Dorf statt, wenn die Opfer oder die Angehörigen dem Täter vergeben, ist die Höchstrafe nur 3 Jahre Public Service, solange der Täter nicht an der Planung des Völkermords beteiligt war. Ethnizität wird konsequent dekonstruirt und durch intensive Geschichtsforschung und –vermittlung die Manipulation vermittelt. Bei jeder Streitfrage werden erst community-Mediatoren eingesetzt, bevor er vor Gericht geht; es gibt bis in die kleinste Einheit Räte und reconciliation voluntaries; gemeinsame Feste und Pflege der gemeinsamen Kultur und Mythen und an jedem letzten Samstag im Monat einen community service Tag, der für alle verpflichtend ist und an dem schön saubergemacht wird.

Nur sind die Eliten der Bevölkerung in Aussöhnung etwas vorraus und für viele ist ein Verzeihen gar nicht möglich. Freundeskreise ersetzen bei den Jugendlichen die Familie und nach ein paar Bier wird dann die hinter vorgehaltener Hand alles rausgelassen, was so falsch in Rwanda läuft. Wenn Täter nicht gewillt sind, ihre Taten zuzugeben und aus Angst vor Rache nicht zurückkehren, ist der beste Aussöhnungsprozess vergebens. Die Geschichten schocken wirklich und das Genozid-Museum ging mir persönlich näher als KZ’s in Deutschland. Das Morden fand hier nicht in abgeschotteten Camps statt und wirklich keiner über 14 Jahren kann sagen, er hat nichts davon mitbekommen. Wenn man Bilder vom Morden in Kigali sieht und auf den Fotos erkennt, dass man vor einer halben Stunde genau an der selben Stelle vorbeigelaufen ist, und sich vom Stadtbild wenig verändert hat, wird alles realer und greifbarer. Die Fotos und Filme zeigen Situationen, die aus meinem Alltag sein könnten, nur dass überall verstümmelte Leichen herum liegen.

Obwohl Kigali wunderschön ist, bin ich wieder froh in Kampala zu sein. Einfach zu sauber, geordnet, kalt. Es gibt keinen Müll auf den Straßen, Kreisverkehrinseln mit Springbrunnen, richtige Haltestellen für die Matatus und um 24h werden die Bürgersteige hochgeklappt. Da gefällt mir das, überfüllte, dreckige, laute, manchmal zum Himmel stinkende Kampala besser, das trotz all dieser negativen Eigenschaften eine faszinierende Seele besitzt, wo die Menschen weniger misstrauisch und direkter sind und man die ganze Nacht durch feiern kann, trotzdem sicher unterwegs ist, jeder seine noch so schwachsinnige Meinung sagen darf und ich mittlerweile richtig zuhause bin.

h1

April 1, 2008

Wollte mich noch einmal vor Rwanda melden. Wir fahren wohl endlich, weil mein ehrenwerter Kommilitone Seine Exzellenz Muhammad Ibrahim, Botschafter des Sudan, mal bei seinem rwandischen Kollegen Druck gemacht hat.

 Sonst gibts hier wenig Neues. Hab die ersten beiden Hausarbeiten fertig – noch keinen Praktikumsplatz aber das wird schon.

 Die Regenzeit ist jetzt auch endgueltig in Kampala angekommen. Nur noch 20 Grad wenns geregnet hat, da kann man dann schon mal die Jacke rausholen. Sonst bleibt hier alles beim Alten. Am Sonntag wird in Juba der Frieden mit der LRA unterzeichnet. Haette dabei sein koennen, aber 600 Dollar anfahrt in den Suedsudan haette ich selbst bezahlen muessen. Mal schauen ob Kony persoenlich aus dem Wald kommt. Kommt auch drauf an, ob grade im Kongo, Sudan, Zentralafrikanische Republik (wohin er zumindest seine halbe Armee – sind nur noch 150 Leute – geschickt hat, um Waffen zu kaufen) oder dann doch irgendwo in Acholiland in einem Erdloch versteckt. Ihn und Otti (the late – mir wurde von einer Hammerschlagzeile im Red Pepper – der oertlichen Bildzeitung erzaehlt: Kony eats Otti’s Penis) nehm ich auch noch in die Liste der bestgekleidetsten Staatsmaenner auf.

Express hat ein 0:0 vor 80.000 bei AS Vita in Kinshasa rausgeholt und spielt am Samstag das Rueckspiel das ich nicht sehen kann.

Habe gehoert, dass “die Gustloff” (welche Tragoedie) ins Fernsehen kommt und vielleicht gibts naechste Woche neben Photos einen Aufsatz ueber Relativierungen des “Nazi-Regimes” (solche Menschen sprechen gerne von Regime, oder von der Verbrecherclique (hoechstens 10-12Leute), die Deutschland ins Unglueck gefuehrt hat). Die Programmmacher haenge ich an meinem imaginaeren Baum fuer geistige Brandstifter auf, direkt neben meinem speziellen Freund Henryk (!) M. Broder, der noch immer ungestraft in Funk und Fernsehen “die Wahrheit” sagen darf.

 

Gibt sicher noch bessere:

Comrade choose well