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Das Licht aus den Schalter um, hier ist das Imperium

August 20, 2008

Musste mich lange durch random play klicken bis ich einen fähigen Titel gefunden habe, und ich denke es gibt wenige, die den Zusammenhang herstellen können (in diesem Zimmer in den eigenen vier Wänden). Stoiber hat gar nicht das copyright auf den Problembären, sondern er hat dreist bei den Tragically Hip geklaut.

 

Der letzte Eintrag ist schon einige Zeit, und an den Inhalt des letzten Eintrags kann ich mich auch nicht mehr erinnern deswegen gibt’s die letzten Neuigkeiten im Telegramm:

 

Neues Haus – Filipino-Mitbewohner (kocht gut) – Soroti awesome – American Peace Corps: ganz in Ordnung (faire party) – Arbeit macht Spass – Praktikum ded – Billardspiel entscheidend verbessert

 

Was Neues?

 

War zwei Wochen in Karamoja und liebe es. Von den ganzen Vorturteilen, die der Rest Ugandas über diese Region (haben alle Schwänze (hinten), laufen den ganzen Tag nackt rum, zwingen alle Fremden auch dazu, nackt rumzulaufen, trinken nur Blut und erschießen Gäste aus Spass) hat sich nur eines bestätigt: remote.

 

Die Straße nach Moroto ist schon im Katakwi Distrikt ein Verbrechen. Sobald man den kleinen Durchbruch zwischen zwei beeindruckenden Dreitausendern passiert hat, die aus dem Nichts aus Ebene auftauchen, wird’s stellenweise ein Würfelspiel, ob man ankommt oder steckenbleibt. (Zur Sicherheit telefoniert man erstmal in die Distrikthauptstadt, ob der Bus angekommen ist, den man am nächsten Tag zurück nach Soroti nehmen möchte.)

Das einzige, was zwischen den Dornbüschen noch wächst sind Sonnenblumen, die erstaunlich Hitzeresistent sind (schon wieder was gelernt!). Sonne schlägt Lichtschutzfaktor 30 auf vorgebräunter Haut.

 

Wenn man aus dem Bus raus ist, gibt’s erstmal keinen Transport mehr – eine Umstellung, wenn man den Rest Ugandas betrachtet, wo zumindest einmal am Tag zumindest ein Viehtransporter durchkommt. Die 15km nach Lotome geht’s glücklicherweise auf dem Rücksitz eines Motocrossbikes, da mein Arbeitgeber dieses einzige Motorad im Dorf besitzt.

 

Der Empfang und die Unterkunft sind wiederum traumhaft. Das fühl dich wie zuhause ist in diesem Fall ernst gemeint. Meine Hütte steht mitten im Hof, nachts kann ich den Vater der Familie durchs Fenster schnarchen hören (und nach meiner Ankunft fläzt er (Jimmy) sich auch erstmal in seinen Liegestuhl, der wohl auch der einzige in Karamoja, wenn nicht ganz Uganda ist – zwei Parallelen zu FR-St.Georgen – und Papa, bitte nicht beleidigt sein, wenn ich hier Familieninterna ausplaudere.)

 

Eine weitere Parallele ist die gute Küche von meiner neuen Mama Rose. Auch wenn die Auswahl eher begrenzt ist (Ziege, Huhn oder Bohnen), das Essen schmeckt immer. Morgens kocht sie Wasser für mich, damit ich kein kaltes Wasser zum Waschen nehmen muss. Manchmal greift sie etwas daneben beim Versuch mir Wünsche von den Lippen abzulesen. Habe mal erwähnt, das ich gerne Leberle esse. Die ich am nächsten Tag dann auch bekommen: zum Frühstück (for Champions)Muss sie unbedingt mit nach Soroti nehmen, aber wahrscheinlich muss ich für sie zwei Sitze im Bus bezahlen und da sie den einzigen Laden im Dorf besitzt (Rasierklingen, Waschmittel, Seife, Batterien, Bohnen, Mehl, Süssigkeiten, Bier – was will man mehr) wäre es den Anderen gegenüber unfair.

Die Arbeit bei OCODI (Omaniman Community Development Initiative, benannt nach dem Omaniman River, dessen Wasserspiegel je nach Laune und Regen um Meter schwankt – mehr nach Laune) ist interessant. Im Büro arbeiten fünf Mitarbeiter, alles gelernte Sozialarbeiter aus dem Dorf. Dazu sitzen gut zwanzig Leute vor dem Büro rum, da es ja sonst nichts in Lotome zu tun gibt. Meine Kollegen sitzen mittendrin, da sie Sozialarbeiter sind und auch sonst wenig zu tun haben. Das hängt auch damit zusammen, dass der DED den 2008 Etat noch nicht überwiesen hat. Was wiederum auch bedeutet, dass ab September, oder wann das Geld auch immer da ist, implementiert wird wie nichts, damit der Etat auch aufgebraucht wird. Manchmal ist man auch im Feld unterwegs – Bier in den Nachbardörfern trinken und Sozialarbeitern. Die Jungs machen aber wirklich eine gute Arbeit, viele im sub-county sprechen von „umserem“ OCODI, und ein besseres Lob kann es wohl kaum geben. Dank Solarplatten auf dem Dach ist das Büro auch der einzige Platz im sub-county an dem man sein Handy aufladen kann, wird von den Soldaten, die die Kühe des Dorfes bewachen, gerne genutzt

 

Der männliche Karimojong hat immer seinen kleinen Schemel dabei, da Sitzgelegenheiten beschränkt sind und man sich zum Bier trinken auch nicht in den Sand setzten möchte. Das Bier macht satt, deshalb trinken nicht wenige es auch zum Frühstück. Ausserdem beliebt: Schnupftabak und Kartenspielen. Da vergeht auch die durchschnittliche Wartezeit an der Bushaltestelle (5h, wenn er denn kommt) wie im Fluge. Zum Pissen geht man hinters Haus, doch für einen „long call“ geht man beim LC V-Chairman (dem Chef der Regionalverwaltung) vorbei, der die einzige Toilette im Dorf besitzt.

Wäre lustig, das Gleiche mal in Deutschland zu machen: halb betrunken bei G.Oettinger zu klingeln und fragen, ob man mal in seine Toilette scheissen darf. Aber hier (in Afrika bei den Schwatten) ist ja alles Verwandschaft während dort (in der Zivilisation) alles so anonym ist.

 

Habe aber auch richtig gearbeitet, und u.a. eine Broschüre gezaubert, die mit jeder PR-Agentur mithalten kann. Die Homepage über OCODI geht bald online und die Adresse gibt’s dann hier

 

FAZIT: Karimojong sind großzügig, liebenswert, aber etwas verrückt.

 

Zur Belohnung gings nach zwei wochen nach Kampala, um Kate Geburtstag zu feiern. Viel zu viel zu viel zu essen im La Fontaine, Irish Car Bomb trinken und mein Geschenk (eine Torte mit einem Foto von Oprah draufglasiert) essen. War auch Spass. Hatte am nächsten Tag eine „serious visit by Mr Honorable Hangover“ wie man hier (Afrika, im Busch, deep deep in the village bei den Negerkindern).

 

Wir müssen wenden. Wir müssen uns verschwenden an die Sache die viel größer ist als wir verkraften können.

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