Bin fleissig am Arbeiten. Sonst gibt’s wenig Neues. Morgens steige ich um 8 auf mein Fahrrad und fahre zur Arbeit, um 13h mache ich Mittagspause und esse bei professor Ali. Danach wird zeitung gelesen und noch ein wenig gearbeitet. Um 17h geht’s nach Hause. Auf den Markt, Kochen, dann Billard spielen/Fussball schauen/Bier trinken,oder halt zuhause ein Video. Wenig zu tun, da kein Geld da ist (s.u.). Aber kein schlechtes Leben.Montag steht mal wieder ein Bürowechsel an. Nochmal zwei Wochen Karamoja. Wenn ich wieder nach Soroti zurückkomme, steht der Urlaub allerdings schon fast vor der Tür.
Meine erste Homepage für Teso Initiative for Peace ist fast fertig, nur hat der ded immer noch nicht den 2008/2 Etat überwiesen, sodass kein Geld da ist, eine vernünftige Adresse zu kaufen. Bisher steht die Seite noch unter der Arbeitsadresse:
Mein Mitbewohner Winston wird nach Lira verlegt und nimmt die halbe Einrichtung mit, aber dafür habe ich das ganze Haus für mich.
Und Jan, mein Kollege von TIP, geht auch nach Deutschland zurück. Die Zelte hier werden nach und nach abgebrochen und es fällt schwer, sich zu motivieren und noch mal was Neues anzufangen, neue Leute kennenlernen usw für die letzten paar Wochen.
Wie auch immer, da es wenig Neues von mir zu erzählen gibt, erzähle ich euch über ugandisches Essen:
Frühstück: Europäisch (Brot, Margerine, Ei), wenn man in den Schnöselvierteln Kololo oder Ntinda wohnt und sich „Mittelklasse“ nennt, gibt natürlich gesunde Sachen wie Müsli und Früchte. (Weetabix=ganz große Klasse)
Die originale Variante ist aber entweder Chapati (ein Pfannkuchen – Mehl, Öl, Wasser) oder Katogo. Das sind Kochbanenen in Sosse mit entweder Rindfleisch, oder ovals. Ovals wiederum sehen ekelerregend aus, schmecken widerlich, und bis heute habe ich immer noch nicht genau rausbekommen, welchen Teil der Innereien einer Kuh ich eigentlich gegessen habe (mein Tipp geht auf die Magenwand).
Die restlichen Mahlzeiten gehen in drei Gruppen: Snacks, Essen in der Bar und richtiges Essen. Die Einteilung mag etwas willkürlich erscheinen, da z.B. Leberle mit Pommes als Snack gelten und man durchaus satt werden kann. Grundsätzlich Snacks meist frittiert, Essen meistgekocht und Bar-Essen meist gebraten.
Erstmal zu den Snacks. Sind dem klassisch-deutschen Imbissbuden-Essen sehr ähnlich und werden entweder am Straßenrand oder in kleinen Snackbars verkauft. Die Auswahl ist ordentlich, vom gekochen Ei, über Chapati (oder mit einem Omelett zusammengerollt als „Rollex“ aufgewertet), Samosas (kleine frittierte Teigtaschen mit Hackfleisch oder Gemüse drin), geröstetem Mais, Cassava (schmeckt manchmal wie Maroni) oder Bananen, Erdnüsse geröstet oder gekocht (gekocht schmecken sie wie richtige Nüsse) mandazi (Krapfen – mit gekochtem Ei in der Mitte als „eggroll“), Pommes und die fleischigen Könige der Snacks: kleine frittierte Würstchen, Chaps (Hackfleisch mit verquirltem Ei drumrum in Chapatiform – in langlicher Form als „Kebab“). Alles salzig und fettig.
Eine besondere Sache sind Chicken and Chips. Wird bevorzugt beim ersten Date serviert (von Sugardaddies, die Uni-Studentinnen abschleppen wollen). Ist Pflicht und Teil des Vorspiels (zu Paarungsverhalten gibt’s vielleicht auch noch mal einen Beitrag). Keine Ahnung warum ein Brathähnchen mit Pommes das bevorzugte Abschleppmenü ist. Aber es hat auf jeden Fall einen hohen Status und geht in den 24h snackbars in wandegeya im minutenrhytmus über die Theke. Habe auch mal gehört, dass Musoga und Muganda-Frauen keine Hähnchen essen dürfen. (und Teso-Frauen keine ungerösteten Erdnüsse).
Wenn man gesund leben möchte, bedient man sich bei den billigen und köstlichen Früchten. Mangos sind zur Saison so unverschämt billig (habe einen Artikel zu lesen über einen Bauern, der sich beschwert hat, dass er seiner Familie nur Mangos servieren kann. Eine große Plastiktüte voll gibt’s außerhalb Kampalas schon für umgerechnet 40 cent und in Kampala selbst bekommt man auch noch vier große für den selben Preis. Außerdem Ananas, Papaya, Melonen, Orangen, Lemonen, Bananen, Passionsfrüchte (ist Maracuja eigentlich dasselbe), Guaven und Jackfruits. Im Westen gibt’s merkwürdige Früchte, für die es offensichtlich keine englische Entsprechung gibt. Eine Tomate, die nach Tomate-Guave schmeckt. Und das Highlight: Eine rote Frucht in Form einer länglichen Paprika. Das Mark ist essbar. Sie sieht aus wie eine Chilischote, brennt in der Kehle wie eine Chilischote, schmeckt aber wie gutes chinesisches Essen, da sich zur nur zum Ende dominanten Schärfe ein interessanter süß-sauer Geschmack gesellt.
Bevor ich mit meiner Kritik zum „richtigen Essen“ anfange, ein paar Sätze vorweg. Ugandisches Essen kann richtig gut schmecken, meist ist es aber einfach nur zum satt machen da. Ugandische Köche würzen zu wenig (klar, Gewürze sind teuer), Ugandische Esser sind zu konservativ (es gibt nur eine Art, wie man bestimmte Gerichte zubereiten darf). Es dauert eine Weile bis man gutes ugandisches Essen gefunden hat.
Ein Gericht besteht aus Food (Sattmachern) und Soup (Fleisch und Soße). Weitere Beilagen gibt’s eher selten. Die Auswahl an Food ist groß, es werden verschiedene Sattmacher wie Reis, Süsskartoffeln, Matoke (Kochbananenbrei), Cassava, Posho (Maisbrei), Irish („normale“ Kartoffeln) oder Pilaw (gewürzter brauner Reis) werden kombiniert. Im Norden dazu verschiedene Hirse und Sorghumbrei-Varianten
Die Soup ist entweder dünne Bratensosse oder Erdnusssoße. Auch hier ist der Norden überlegen mit Erdnuss-Zimt, Erdnuss-Sesam oder Erdnuss-Spinat-soßen. Fleisch ist bis zur Zerfaserung gekochtes Rindfleisch, Ziegenfleisch, Hähnchen. Am Hähnchen ist kaum was dran und das Rind und die Ziege können sehr zäh sein, da es gerade auf dem Land keine Kühlhäuser gibt und das Fleisch nicht abhängen kann.
Beilagen sind entweder Kraut, Greens (schmeckt ähnlich wie Spinat – in Karamoja sind es Kürbisblätter, aber man kann auch Erbsenblätter oder so verwenden), Bohnen oder Erbsen, und saisonal auch mal Aubergine oder merkwürdige bittere Mini-Auberginen.
Bar-Essen ist köstlich und muss unbedingt in Deutschland eingeführt werden.
Es besteht entweder aus traditionellen Gerichten oder gebratenem Fleisch. Tradionelle Gerichte beinhalten in Buganda (Teso und der Westem haben keine speziellen traditionellen Bar-Gerichte, und den Rest des Landes habe ich nicht kennengelernt) Luwombo (ein Hähnchen im Bananenblatt gegart), Ekigere (Gelenke von Tieren mit Fleisch dran), Bushmeat (erklärt sich selbst) oder die widerlichen ovals.
Geröstet wird alles vom Schweineohr bis zu Hähnchen-Gizzards (was ich da gegessen habe muss ich auch noch mal nachschlagen). serviert wird es entweder schon gemischt mit Zwiebeln, Kraut und Irish, oder auf einer großen Platte. Die Schweinefleisch-Spieße in der Mitte, drumrum das Standardmenü gerösteter Cassava, Tomaten, Avocado und der ugandische Chili Piri-Piri (entweder als Pulver mit Salz gemischt, oder frisch in kleinen Schoten). Selten gibt’s noch Kochbanenen oder Irish. Gegessen wird mit der Hand und alle Leute am Tisch von einer Platte. Sehr gesellig und passt gut zum Bier.
Getränke haben einen eigenen Beitrag verdient.
Zum Schluss noch mal ein paar Worte zu China. Habe die Spiele leider fast komplett verpasst. Uganda hat einen vierten Platz über 5000m und sonst nichts gewonnen. Habe Bolts 100m Weltrekord und ein paar Boxer gesehen. Den Rest nur über Radio und Internet.
Wie auch immer, die Kommentare zum Gastland in D habe ich verpasst. Aber sicher wurde jeder China-Bewunderer ausgebuht, wg. Menschenrechte und so. Und Guantanamo-Gleichsetzer relativieren den Völkermord in Darfur und sind, sicherlich, auch Antisemiten (ähnlich auch: siehe rechts). ich finde China immer noch mehr gut als schlecht und ein wenig bewundern schadet nichts:
China ist der größte Produzent von Bier, Computern, Kameras, Mobiltelefonen, Kühlschränken, Mikrowellen, Fitnessausrüstung, Schuhen, Textilien, Violinen und anderen Musikinstrumenten, Kohle, Reis, Fisch, Getreide, Kartoffeln, Bohnen, Raps, Edelsteinen, Talk, der größte Exporteur von Kleidung, Zahnpasta, Tabak, Äpfeln, Uhren, Pianos, Golfschlägern, Eisenerz, Stahl, Zwiebeln, Tomaten, Ziegenfleisch, Lamm, Zinn, Blei, Batterien, Metallblech, Spielzeug, Pilzen, AK-47 Sturmgewehren, Knoblauch, Technologie für Staudämme, Trauben, Honig, Impfstoffen, Kashmir, Antibiotika, Polyester, Hanfstoff, Zink, Wassermelonen, Solar Panels, Süßkartoffeln, Sesam, Sägen, Aluminium, Zigaretten, Zement, Baumwolle, Fernseher, Schulranzen, DVD-Player, Klimaanlagen, Essstäbchen, Fahrrädern, Holzprodukten, Reisekoffern, Reifen, CD-Rohlingen, Videokasseten, Landminen, Handtaschen, Solarlampen, Pferdefleisch, Bambus, Keramik, kleine Elektromotoren, Knöpfen, Bleistifte, Sportschuhe, Rindfleisch, Schweinefleisch, Leichtmetall für Fleugzeuge, Dosen, Energiesparlampen, Wolle, Erdnüsse, Karotten, Motorrädern, Eier, Akkus für Mobiltelefone, Dünger, PVC, Alkalisalze, Laminat-Röhren, Schiff-Container, Tee (außer Schwarztee), Pinienkerne und Solarzellen.
In Europa bekommt man wenig davon mit, aber wenn wie Uganda 70% der kaufbaren Produkte aus China noch mal 15% aus Indien und der Rest aus Uganda kommen, wird das Verhältnis etwas deutlicher.
Wie schon die Bibel schreibt:
Book of Revelation 16,12
“And the sixth angel poured out his vial upon that great river Euphrates, and tried up the water thereof, that a way might be prepared fort he kings from the rising sun.”
Schlussendlich sollten nicht wir entscheiden, ob China gut oder schlecht ist, dazu sind wir viel zu unbedeutend und China kann ganz gut ohne uns, was man an der geringen Anzahl von chinesischen Produkten bei uns sehen kann. China hat andere expandierende Exportmärkte, die brauchen uns nicht (und auch nicht unsere Autos und Baumaschinen – in Uganda gibt’s auch fast nur chinesische Modelle).
Die Zukunft könnte so aussehen: China macht die ganze wichtige Entwicklungsarbeit wie Infrastruktur, Fabriken usw., weil sie ihr Zeug verkaufen wollen und die Europäer den ganzen anderen Hippiekram wie Umwelt, HIV, Mikrokredite usw. damit wir uns gut fühlen und nicht zu viel Geld ausgeben müssen. Allen ist geholfen.
China ist nicht gut oder schlecht, China ist. (Ich hoffe, nicht zu viele Talkshow-Idioten, und besonders niemand von meiner Todesliste hat so argumentiert)



































